Ralf Meister

Interview mit Generalsuperintenden Ralf Meister

Mit offenem Blick und weitem Horizont: Ralf Meister besucht Neukölln

Im Frühjahr letzten Jahres trat der neue Generalsuperintendent Ralf Meister, aus Lübeck kommend, sein Amt an. Auf seiner Rundreise durch die Berliner Kirchenkreise kam er im Dezember in den Kirchenkreis Neukölln. Er fuhr von Königs Wusterhausen bis zum Hermannplatz, traf Bürgermeister Buschkowsky, ging im Rollbergviertel auf Streife  - und sah die Zukunft der Kirche...

Was hatte Ihr Bild von Neukölln vor dem Besuch in unserem Kirchenkreis am stärksten geprägt?

Ralf Meister:
Die Wahrnehmung, die wahrscheinlich in ganz Deutschland von Neukölln vorherrscht: ein Multikulti-Kiez mit enormen sozialen Spannungen sowie kulturellen und religiösen Gegensätzen. Dieser Eindruck wurde mir dann - etwas profunder - in einem ausführlichen Gespräch bestätigt, das ich vorweg mit Bezirksbürgermeister Buschkowsky führte. Auch er, der mit einer unglaublichen Leidenschaft und Identifikation für Neukölln lebt und kämpft, legte einen deutlichen Schwerpunkt auf die Konstitution von parallelgesellschaftlichen Entwicklungen in seinem Bezirk. Bernd Szymanski hingegen sagte mir auch vorab schon, "dass der Kirchenkreis Neukölln auch noch ganz andere Seiten hat."

Und als Sie sich dann selber Ihre Meinung bilden konnten...

Ralf Meister:
...hat sich mein ursprüngliches Bild stark verändert. Einmal, weil der Kirchenkreis Neukölln sehr viel größer ist als seine Problemkieze, die immer mal wieder die Außenwirkung bestimmen. Wenn man von Königs Wusterhausen bis zum Hermannplatz fährt, dann durchfährt man ja nicht nur mehrere Kieze, sondern man durchfährt mehrere Jahrhunderte der Stadt- und Dorfentwicklung. Aus einer völlig ländlich geprägten Umgebung im Süden kommend - in der zugleich mit dem Flughafen Berlin Brandenburg International eines der größten Berliner Bauvorhaben liegt - erreicht man im Norden einen Stadtbereich, der wahrscheinlich einen Teil dessen vorweg nimmt, was wir in vielen deutschen Städten in einer halben Generation haben werden. Wie in einem Brennglas bündeln sich die Extreme, die man sich innerhalb Deutschlands vorstellen kann.

Im Rückblick auf Ihren Besuch: Was - mit Ihrem unvoreingenommen Blick von außen - ist speziell am Kirchenkreis Neukölln?

Ralf Meister:
Ich glaube, dass Neukölln in seiner extremen Ausprägung einzigartig ist in unserem Sprengel Berlin. Zwar kann man sowohl Stadt-Land-Gegensätze, als auch die Gegensätze von Arm und Reich auch andernorts an vielen Stellen finden. Aber in dieser extremen Ausprägung innerhalb eines Kirchenkreises sind sie mir sonst nirgends begegnet. Wenn man sich anschaut, wie Pfarrer Johannes Reif im Sprengel Selchow sechs Dörfer versorgt, so steht er dort vor völlig anderen Herausforderungen als beispielsweise die Martin-Luther-Gemeinde, die ihre Antworten auf den Kiez sucht, in dem sie existiert. Dieses Nebeneinander völlig unterschiedlicher Herausforderungen ist schon etwas ganz einzigartiges, originär Neukölln-spezifisches. Mir ist dabei eine Schilderung Karl-Heinz Langes, des Diakons der Martin-Luther-Gemeinde, sehr eindrücklich gewesen: Er sagte zu mir, "Konfirmandenunterricht ist hier ein Minderheitenschutzprogramm". Dieses Zitat zeigt deutlich, vor welchen Herausforderungen Kirche in Teilen von Neukölln steht.

Was hätten Sie nicht erwartet?

Ralf Meister:
Ganz spontan: den Rixdorfer Weih-nachtsmarkt. Das ist wirklich eine der größten Überraschungen gewesen, weil man so etwas an diesem Ort nicht erwartet. Wenn man auf diesem Weihnachtsmarkt herumgeht, dann erlebt man eine so bunte und fröhliche Mischung wie man sie sich - ich übertreib mal ein bisschen - auch in Nürnberg oder Lübeck vorstellen könnte. Man erlebt dort ein Stück Neukölln wie es vor hundert Jahren war - und wie es wahrscheinlich bis vor fünfzig Jahren auch noch gewesen ist. In diesem Moment wird einem klar, wie rasant die Stadtentwicklung hier vor sich geht - baulich und vor allem milieuspezifisch.

Was haben Sie vielleicht vermisst?

Ralf Meister:
Wenn man mit dieser Neugier, mit der ich meine Antrittsbesuche mache, in einen Kirchenkreis kommt, ist es schwer zu sagen, man habe etwas vermisst. Das würde ja bedeuten, dass man sehr präzise Erwartungen hatte und die könnten die Offenheit des Blic-ks und die Weite des Horizontes einschränken. Deswegen fällt es mir schwer zu sagen, ich hätte irgendetwas vermisst. Im Gegenteil: Ich habe vieles aufgespürt, entdeckt und wahrgenommen; zum Beispiel als ich wenige Tage vor Weihnachten eine Nacht lang bei einem Besuch der Polizeiwache im Rollbergviertel gewesen bin. Ich fuhr mit auf Streife und verbrachte die ganze Nacht über auf - ungefährlichen - Einsätzen, die sich um Lärmbelästigungen und hilflose Personen kümmerten.

Neukölln ist nicht der einzige Kirchenkreis, den Sie besuchten. Was ist an Neukölln weniger oder gar nicht speziell - verglichen mit anderen Berliner Kirchenkreisen?

Ralf Meister:
Der Neuköllner Kirchenkreis ist natürlich auch Kirche wie überall: Kirche in dieser Zeit. Auch hier müssen wir uns bei den Fragen der Strukturen und Organisation prüfen: wie viele Standorte an welchen Punkten brauchen wir? Was bedeutet das für die Reduktion der Gebäude? Wie können wir den Personaleinsatz effizient gestalten? Und welche Synergien schaffen wir, wenn wir sagen, wir seien gemeinsam für Neukölln verantwortlich? Ob es das Zentraltelefon ist, ob es  Regionenbildung oder Stellenteilungen sind: das alles sind Antworten auf diese Fragen, die man an dieser Stelle auch erwarten kann.

Welche Anregungen nehmen Sie mit, welche werden Sie möglicherweise in Ihrem neuen Amt als Generalsuperintendent aufgreifen?


Ralf Meister:
Neukölln ist exemplarisch, weil es die Fragen, die uns als Kirche in Zukunft betreffen, in besonderer Schärfe stellt. Wie können wir Kirche in einer völlig diversifizierten, heterogenen und zum Teil gespaltenen Umwelt gemeinsam gestalten? Diese Frage - mit all ihren sozialen und mulikulturellen Aspekten und ihren Herausforderungen an die Stadtentwicklung - wird in Neukölln in besonderer Weise gestellt.
Deshalb freue ich mich, dass sowohl die Präsides der Kreissynoden als auch die neue Kirchenleitung in den nächsten Monaten Neukölln besuchen werden.
Das wird der erste Besuch sein, den die neue Kirchenleitung in einem Kirchenkreis machen wird. Das ist eine große Chance für die Kirchenleitung und den Kirchenkreis Neukölln, die Zukunft unserer Kirche zu diskutieren. 

Das Interview führte Ebba Zimmermann, Öffentlichkeitsbeauftragte im Ev. Kirchenkreis Neukölln

Herbstsynode 2009

„Integration – Was geht mich das an?“ - 
Hanns Thomä, Integrationsbeauftragter der Ev. Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz, spricht auf der Herbsttagung des Evangelischen Kirchenkreises Neukölln

Die Herbstsynode des Evangelischen Kirchenkreises Neukölln beschäftigt sich auf ihrer Tagung am Freitag, dem 9. und Samstag, dem 10. Oktober, in der Dreieinigkeitsgemeinde mit dem Theme "Migration und Integration.

Abkürzungen

A: Abendmahl im Gottesdienst

aA:
anschl. Abendmahl

Ad:
Andacht

AoA:
Abendmahl ohne Alkohol

Bei:
Beichte

F:
Familiengottesdienst

FG:
Friedensgebet

GK:
Goldene Konfirmation

GV:
Gemeindeversammlung

J:
Jugendgottesdienst

K:
Konfirmation

k.A.:
keine Angaben

k.Gd.:
kein Gottesdienst

Mu:
musikalischer Gottesdienst

N:
Nachbesprechung

Ök:
ökumenischer Gottesdienst

Reg:
Regional-Gottesdienst

T:
Taufe

V:
Vesper

Ws:
Wochenschlussandacht

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